Bielefelder Bündnis
für mehr Personal
im Krankenhaus

Das Bielefelder Bündnis wird unterstützt von: ver.di - Betriebsgruppe Evangelisches Klinikum Bethel & Mara, ver.di Bezirk Ostwestfalen-Lippe, DIE LINKE Kreisverband Bielefeld, Gesundheitsladen Bielefeld e.V., Netzwerk CareRevolution Netzwerk Bielefeld, interventionistische Linke Bielefeld, Buchladen Eulenspiegel, Brigitte Varchmin (Krankenschwester im Ruhestand)

Für eine Bielefelder Bewegung für mehr Personal im Krankenhaus
Seit Jahrzehnten wird im Gesundheitswesen eine Ökonomisierung vorangetrieben, die Beschäftigten wie Patient*innen schadet:

Es wird und wurde eine Privatisierung von Krankenhäusern befördert – die das Geld, das für Pflege nötig wäre, als Profite an Aktionäre ausschüttet.

Krankenhäusern und Kliniken, vor allem in ländlichen Gegenden, werden geschlossen, was die Versorgungssicherheit gefährdet.

Es kommt zu unnötigen Operationen – die nur deshalb gemacht werden, weil sieGewinn abwerfen

Vor allem das Pflegepersonal wurde abgebaut oder in Billigfirmen ohne Tarifbindung ausgelagert, wodurch die Pflege- und Versorgungsqualität abnahm.

Der enorme Arbeitsdruck für das verbliebene Pflegepersonal hat Auswirkungen auch auf das soziale Klima und Beziehungsarbeit, sowohl innerhalb der Teams, als auch zwischen Patient*innen und Beschäftigen

Die Dauerbelastung in der Pflege ist durch den massiven Personalabbau in den letzten Jahrzehnten unerträglich geworden. Viele Beschäftigte werden krank oder kündigen. Nicht nur die Gesundheit der Patient*innen und Pflegebedürftigen ist gefährdet, auch ihre Angehörigen werden über ihre Möglichkeiten hinaus belastet. Für die wichtige Arbeit vieler Berufsgruppen werden durch Auslagerung in Tochterfirmen Löhne gezahlt, die kaum zum Überleben reichen und unweigerlich in die Altersarmut führen.

Profitorientierung hat im Gesundheitswesen nichts zu suchen

Das Ziel muss eine bedürfnisgerechte Versorgung der Bevölkerung sein. Das Wohl der Patient*innen sollte im Mittelpunkt stehen und nicht, welche Fallpauschale für die Abrechnung am lukrativsten ist. Doch die Finanzierungsstruktur der Krankenhäuser mündet mehr und mehr im Wettbewerb um lukrative „Fälle“. Deswegen haben wir das »Bielefelder Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus« gegründet. Wir vernetzen uns mit Bündnissen in anderen Städten und wollen so dem Personalmangel auf Kosten der Beschäftigten und Patient*innen und der Ökonomisierung des Gesundheitssektors gemeinsam entgegen treten. Unsere Auseinandersetzung beginnt im Krankenhaus – insgesamt geht es uns aber auch um die allgemeine Aufwertung von Pflege- und Sorgearbeit. Wir wollen gute Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung für die Beschäftigten und ein am Bedürfnis der Menschen ausgerichtetes Gesundheits-, Pflege- und Sozialsystem für alle Teile der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Gesundheit darf keine Ware sein!

Deshalb fordern wir:

Eine gesetzliche Personalbemessung,

die sich am tatsächlichen Bedarf der Patient*innen bemisst und eine menschenwürdige Pflege möglich macht; Untergrenzen reichen nicht!

die für alle Stationen und Bereiche in der Früh-, Spät- und Nachtschicht gültig ist! Keine Nacht allein!

die durch (1- & 3-jährig sowie im dualen Studium) ausgebildetes Fachpersonal erfüllt wird,

die stationsbezogen, transparent und verbindlich umgesetzt wird.

Zudem fordern wir:

die Einhaltung der Tarifbindung und angemessene Löhne für alle Berufsgruppen im Krankenhaus,

mehr Qualität in der Ausbildung,

eine verbindliche Praxisanleitung und unbefristete Übernahmen,

mehr Qualifizierungsangebote und die Anerkennung von Berufserfahrung,

eine bedürfnisorientierte Krankenhausplanung und eine nachhaltige Investitionsförderung durch die Länder.

Um all dies möglich zu machen, fordern wir:

eine gemeinwohlorientierte Finanzierung der Krankenhäuser, unter anderem durch die Abschaffung der Fallpauschalen (DRG): Wettbewerbs- und Profitlogik haben in Krankenhäusern und im Gesundheitswesen nichts zu suchen!,

einen Privatisierungsstopp: Das Gesundheitssystem gehört in öffentliche Hand und unter demokratische Kontrolle durch Belegschaften und Bevölkerung

eine Rekommunalisierung privatisierter Häuser und ausgegliederter Bereiche

einen gerechten Zugang zu bedürfnisorientierter, einkommensunabhängiger und gerechter Gesundheitsversorgung für alle Menschen,

Es braucht Druck, damit sich etwas bewegt

Die tariflichen Auseinandersetzungen der letzten Jahre und Monate haben unter anderem dazu beigetragen, dass ein Gesetz zu Personaluntergrenzen in pflegesensitiven Bereichen beschlossen wurde. Die bundesweite Tarifbewegung »Entlastung«, zahlreiche Brandbriefe, Interviews und Aktionen haben die große Koalition dazu gebracht, die Herausnahme der Pflegepersonalkosten aus der Fallpauschalenberechnung in ihren Koalitionsvertrag zu schreiben. Das sind Erfolge, aber trotzdem hat sich in der Praxis damit noch nicht viel geändert. Damit es nicht bei leeren Versprechungen bleibt, braucht es weiterhin unseren Druck. Wir werden nicht nachlassen, bis all unsere Forderungen erfüllt sind, und wir kämpfen weiter – tariflich, betrieblich und politisch. Wir solidarisieren uns mit den Streiks und Kämpfen der Beschäftigten. Wir solidarisieren uns mit allen Angehörigen, die mit den Auswirkungen der schlechten Qualität im Gesundheitssektor konfrontiert sind. Wir solidarisieren uns mit Patient*innen, Pflegebedürftigen und allen, die auf Sorgearbeit angewiesen sind, in allen Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge:, wie Pflegeheime, Rettungsdienste, Betreuungsdienste, Schulen und Soziale Arbeit. Wir rufen die Bielefelder Bürger*innen und Initiativen, sowie Gruppen auf, sich mit uns zusammenzuschließen und gemeinsam für diese Ziele zu kämpfen.

Bielefelder Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus
zu erreichen unter: bielefeld@mehr-personal-im-krankenhaus.de